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Eine wahre Geschichte

Anton war nun schon seit einiger Zeit eine der vielen Katzen auf dem Gnadenhof. Er und sein bester Freund Bruni hingen immer zusammen, egal was sie gerade taten. Sie teilten ihr Essen, spielten Tag ein Tag aus miteinander und erkundeten gemeinsam den gesamten Hof.

 

Anton ging es eigentlich sehr gut und er war nie wirklich unglücklich, doch er sehnte sich nach der großen Liebe… Da er auch nicht mehr der Jüngste war, hatte er große Sorgen, ob er denn mal die Richtige finden würde.

 

Dazu kam, dass sein bester Freund sich immer weniger um ihn kümmerte, da er seine Zeit viel zu gerne im Esszimmer des Hauses verbrachte. Anton machte ihm das sehr zum Vorwurf, doch Bruni antwortete nur, dass er endlich seine Angst überwinden sollte und mit ihm mal einen Tag im Esszimmer verbringen, um zu sehen, wie schön es dort war. Doch Anton schaffte es nicht über seinen Schatten zu springen. Er verbrachte so mehr und mehr Zeit alleine im oberen Geschoss des Hauses. Dies machte ihn sehr einsam und damit auch wirklich unglücklich. Er hatte nun seine erste echte Krise seit er auf dem Gnadenhof wohnte. Die meiste Zeit verkroch er sich nur noch im Badezimmer, um alleine zu sein und über sich und sein Leben nachzudenken. Er gestand sich sehr bald ein, dass nur ein Wunder ihn wieder aus diesem tiefen Loch herausziehen könnte, denn er selbst hatte weder die Kraft, noch sah er einen Sinn darin, Tag für Tag unglücklicher zu werden. Anton

 

 

Dieses langersehnte "Wunder" bekam einen Namen an dem Tag, als eine kleine, hübsche Katze namens Kikki ein neues Zuhause auf dem Gnadenhof bekam. Anton erinnert sich heute noch ganz genau an diesen Moment, als er sie das erste Mal sah. Er war wie vom Blitz getroffen, regte sich nicht, ließ sie an ihm vorbeistolzieren und musste sich selbst zwicken, um zu merken, dass er das nicht träumt. Auch bei den nächsten Begegnungen war Anton sehr schüchtern und unsicher. Er traute sich einfach nicht auf sie zuzugehen. Das wäre ein viel zu großer Schritt für ihn und das mitten in der schwierigsten Zeit seines Lebens, redete er sich wieder und wieder ein. Kikki wusste davon natürlich nichts und sah sein Verhalten als eine Art der Abweisung. Sie mochte Anton zwar von Anfang an sehr, aber wollte ihm auch nicht ständig "versehentlich" über den Weg laufen, nur um dann komisch angesehen zu werden. Als Bruni dann anfing mehr und mehr die Nähe von Kikki zu suchen, stand Anton vor einer großen Entscheidung: "Endlich über meinen (mittlerweile sehr großen) Schatten springen oder endgültig resignieren?". Er merke, dass er ja eigentlich nicht wirklich viel verlieren konnte, ganz egal wie Kikki auf sein Geständnis reagieren würde. Und selbst wenn sie ihn auslachen und weggehen würde, wäre es ein großer Sieg für ihn…er hätte es endlich geschafft seine Angst zu überwinden. Als ihm das klar wurde gab es kein zurück, denn egal was kommen sollte, dieser Augenblick würde sein Leben verändern! "Am nächsten Morgen" sagte er sich, "werde ich es wagen!"

 

Er war sehr früh wach, viel früher als sonst, auch sah er nicht gerade ausgeschlafen aus, eher ausgelaugt. Doch anders als sonst würde er diesmal nicht nach Ausreden suchen, um aufgeben zu dürfen. Für ihn stand fest "jetzt oder nie!" und so marschierte er stolz und voller Hoffnung in den Flur, wo er Kikki zur Essenszeit ganz sicher über den Weg laufen würde. Mascha stand schon am Schrank und fing an das Futter in die Näpfe zu füllen. Antons Herz schlug immer schneller, doch er ließ sich nicht davon beirren. Dann war er so weit…Kikki kam aus Maschas Zimmer und wollte endlich etwas fressen. Anton ging geradewegs auf sie zu und schaute ihr dabei tief in die Augen. Kikki war sehr gespannt, was er denn wollte. Anton ging weiter und weiter…"nur noch einen Meter dann bin ich bei ihr"…doch dann machte es "klatsch", Kikki lachte, Bruni fand es auch sehr lustig und Mascha rief nach unten, dass nichts passiert sei. Bruni

 

 

Aber was war passiert?

 

Ungeschickt wie Mascha nun mal ist, hat sie es geschafft dem armen Anton eine ganze Schale mit frischem Katzenfutter überzuschütten. Und das zu seiner großen Stunde… Anton merkte schnell, dass Kikki ihn nicht auf eine böse Art auslachte, sondern eher versuchte ihn zum Mitlachen zu animieren. Das schaffte sie auch und genau in diesem Augenblick brach das Eis zwischen den beiden. Anton war überglücklich als er merkte wieviel Kikki für ihn empfand und es ging ihm von Tag zu Tag besser. Sie waren einfach glücklich miteinander…egal ob sie nun den ganzen Tag miteinander durch das Haus jagten, oder einfach nur nebeneinander lagen und die Ruhe genossen.

 

(von Michael Diehl)