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Das erste Jahr auf dem neuen Hof

Am 1. April 2005 sind wir genau 1 Jahr auf dem neuen Hof. Es ist eine alte Mühle, die 1486 erstmals erwähnt wurde. Der Schinderhannes soll hier Kost und Logis erhalten haben. Die Mühle stand ca. 13 Jahre leer. Einige Menschen nutzten dies um alles zu zerstören.


Mobiliar, Fenster, Heizung, Strom. Sie zerschnitten diesem schönen alten Anwesen die Lebensader. Sie können sich sicher nicht vorstellen, was es bedeutete, das Haus zu entrümpeln. Endlos viele Fahrten zur Mülldeponie und Glas, immer wieder Glas (durch die zerschlagenen Fenster), dass es zu entsorgen gab.


Monika kam jedes Wochenende und sammelte viele, viele Eimer mit Scherben. Es sollte sich ja kein Tier daran verletzen.

Vom ersten April 2004 bis Ende Juni 2004 haben wir Haus, Neben-gebäude, Stallungen und Grundstück entrümpelt und sind bis heute noch nicht fertig. Weiden mussten eingezäunt werden. Die Ställe für die Pferde bezugsfertig gemacht, Tonnen von Lava geschippt und endlos viele Steine verlegt werden. Kleine zierliche Frauen, wie unsere Helga und Alice, haben Riesenkräfte entwickelt. Die Kinder Sarah, Josephine und Sofia haben zugepackt wie Erwachsene, die Männer sind unglaublich - echte Helden. Mit unendlich viel Liebe, Fleiß und Organisationstalent haben wir alle zusammen die Mühle für unsere gute Sache wieder zum Leben erweckt.


Ende Juni 2004 haben wir die ersten Pferde übergesiedelt. Sie haben hier ein Paradies. Zarina, unsere Kuh, war bis tief in den Herbst draußen. Im Winter hatte sie einen schönen großen Stall. Und jetzt, wir haben Mitte Mai 2005, geht sie wieder raus, sobald es nicht mehr soviel regnet. Pippa, unsere Schweinedame, steht am Empfang und begrüßt zur großen Freude aller, die Besucher. Sie ist das meist fotografierte Wesen auf der Mühle. Die Katzen haben ein schönes Katzenhaus bekommen. Cosima, die Ziege hat die große Freiheit. Den ganzen Tag tut sie, was sie will und geht wohin sie will. Die Hunde haben einen Auslauf. Weitere müssen wir noch bauen, aber im Wechsel können sie draußen sein und den Frühling genießen.

Der Umzug der Pferde dauerte bis in den August 2004. Gott sei Dank hatten wir eine lange Weidesaison. So konnten unsere ganz Alten noch ein letztes Mal herrlich satte Wiesen sehen und ihre Freiheit genießen. Leider, leider sind sie dieses Jahr nicht mehr alle dabei. Sie haben uns für immer verlassen. Das kleine alte Pony "Butchy" (36 Jahre), Fuchsi, die Rote (34 Jahre) und Zaruela (30 Jahre), das alte Rennpferd. Sie alle waren mehr als 10 Jahre bei uns.

Es war schrecklich für uns sie zu verlieren. Aber glücklich waren wir, dass sie noch einmal über endlose Wiesen laufen und frisches, saftiges Gras futtern konnten. In Altweidelbach hat man uns ja in den letzten Jahren alles genommen.

Nachdem das Wohnhaus von allem Gerümpel befreit war, haben Hermann und der Elektromeister, Herr Auster, dafür gesorgt, dass wir im Stall und im Haus Licht haben. Es war ein Fest und eine Freude, den Lichtschalter betätigen zu können. In den oberen Wohnräumen kam neues Glas in die Fenster, so dass man in diesen Räumen tapezieren und streichen konnte. Unser lieber Günter kam jeden Tag, tapezierte und strich die Wände. Dann hatten Sylvia und Mascha ihre Zimmer.

Es war ein schwieriger Abschnitt des Umzugs. Ein Teil der Tiere war noch in Altweidelbach, die anderen schon in Budenbach. Zum Schlafen und Baden ging es nach Altweidelbach und tagsüber arbeiteten wir auf der Mühle und hatten alle Hände voll zu tun. Sie können sich sicher vorstellen, zwei große Haushalte, da Tiere und dort Tiere, alle wollten versorgt sein. Das war nicht einfach.

Der Sommer ging langsam dem Ende zu. Die Tage wurden kürzer, die Nächte kälter. Nach und nach holten wir die Hunde. Zuerst die Kleinen. Unsere erste Nacht im Haus war ganz schön gruselig. Sylvia und ich waren die ersten die nachts bei den Tieren blieben. Die Nächte waren rabenschwarz, Straßenlaternen gibt es im Wald nicht. Die Sterne und der Mond spendeten uns Licht. Ungewohnte Geräusche, Knistern und Knacken im Geäst ließen einen manchmal vor Schreck erstarren. Die Stimmen der Tiere des Waldes, das Haus mit den vielen offenen Fenstern und der Ruine des Gesindehauses, die Tür an Tür mit dem Wohnhaus war. Die Tatsache, dass sich dort vor uns alle möglichen Leute herumgetrieben haben, jagte uns manchmal ganz schön Angst ein. Aber tapfer hielten wir durch.


Eine Wand an der Wetterseite des Hauses war total kaputt. Die Balken waren total verfault, ein neues großes Problem tat sich auf. Was tun? Wir wollten die Mauer selbst wieder aufbauen, aber wie? Keiner von uns hatte Ahnung. Monika hat einen Bekannten, der ist Maurer. Ihn wollte sie fragen, ob er uns mit Rat zur Seite stehen könnte. Er kam, sah sich die Wand an und machte uns nicht sehr viel Hoffnung, von wegen selber machen.

Ziemlich mutlos sahen wir in die neue Woche. Mitte der Woche kam ein Anruf: Monika. Sie sagte: "Herbert kommt nächste Woche und mauert uns die Wand neu. "Herbert!"

 

Herbert kam, er mauerte die Wand und setzte die Fenster wieder ein. Den verfaulten Dielenfußboden holte er raus und ersetzte ihn durch Estrich und, und, und, und.... Herbert kommt heute noch und baut Parzellen für die Hunde, Stallungen für die Pferde, hat uns den ganzen Winter über mit Holz versorgt, Kartoffeln, Zwiebeln und allerhand gute Dinge zum Futtern mitgebracht. Herbert kam durch Monika vom lieben Gott. Heute sind die beiden ein Paar.

 

Der Herbst war da. Die Bäume verloren ihr Laub. Die Tage waren schön und sonnig, jedoch die Nächte waren kalt. Abends zündeten wir den Kamin an, setzten uns ans Feuer uns ließen den Tag ausklingen. Boris und Mascha blieben jetzt manchmal über Nacht. Es war kalt. Manchmal sehnte man sich nach einem warmen Bad, aber warmes Wasser gab es nicht. Nur auf dem Herd konnte man einen großen Topf erwärmen und sich waschen. Ein Durchlauferhitzer musste her. Sokrates spendete uns einen. Unser lieber Hermann kam mit dem Elektromeister und schloss ihn an. Hermann, die gute Seele. Ich weiß nicht, wo wir manchmal geblieben wären ohne ihn. Ohne Jutta, Monika und Herbert. An dieser Stelle möchte ich allen danken, die sich so eingesetzt haben, unermüdlich geholfen haben, Kosten übernommen.