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Die Einsicht

Eines Tages meldete sich am Telefon eine ältere Frau. Traurig erzählte sie, dass sie zwei alte Ponys habe, denen sie und ihr Mann nicht mehr gerecht werden. Sie seien völlig überfordert. Wir versprachen zu kommen und uns alles anzusehen. Einige Tage später fuhren wir zum Hof des Ehepaars. Ein schmales, zierliches Frauchen begrüßte uns und teilte uns mit, dass ihr Mann im Krankenhaus und sehr krank sei. Sie schaffe es mit den Tieren nicht mehr. Sie führte uns zum Stall der Ponys und öffnete die Tür.

 

Oh Gott!!

 

 

Die Beiden standen in einem engen Schlauch voll Mist. Keine Luft zum atmen. Rundum war alles zu. Die Hufe sahen schrecklich aus.

 

Es war wohl lange Zeit kein Schmied mehr da und hatte sich darum gekümmert. Wie wir vermuteten, hatten die beiden Tiere Hufrehe. Eine Erkrankung, mit der nicht zu spaßen ist. Man muss sehr gut aufpassen, was man den Tieren füttert. Aber hier tat das wohl niemand.

 

Der kleine Wallach hatte ein Ekzem, lauter Krusten und Wunden sah man an seinem Körper. Die beiden Tiere waren sehr ängstlich. Die Frau sagte, die Tiere seien seit einem Jahr nicht mehr draußen gewesen. Fanny und Moritz heißen die Beiden.

 

Was wir sahen genügte uns. Nun hatten wir es sehr eilig, die Tiere so schnell wie möglich dort herauszuholen. Einen Tag später waren wir wieder zur Stelle und brachten Fanny und Moritz zum Gnadenhof. Im Frühjahr und zur Sommerzeit standen beide zufrieden auf dem Winterauslauf. Fettes Gras dürfen sie wegen der Reheerkrankung nicht zu sich nehmen.

 

Später, wenn eine Wiese von den anderen Pferden abgefressen ist, dürfen sie die letzten Grasstümpfe abgrasen. Es dauerte sehr lange bis sie Vertrauen zu uns gefasst haben. Eine unbedachte Bewegung mit der Hand oder wenn ein wenig zu laut gesprochen wurde: Schon bekamen sie Angst und stellten sich in ihrem großen, luftigen Stall, den sie nun bei uns haben, in die äußerste Ecke. Das erste freudige Erlebnis hatten wir, als sie uns das erste Mal beim Betreten des Stalles mit einem leisen Wiehern begrüßten. Es wird wohl noch einige Zeit vergehen, bis die Beiden uns bedingungslos vertrauen werden. Aber ich bin sicher, die Zeit wird kommen.