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Der Schein trügt

Es war ein strahlend schöner Sonntag im April. Jutta und Hermann waren gekommen, sie wollten im Katzenhaus groß Reinemachen. Vorher setzten wir uns noch ein wenig auf den Hof, um Einiges zu besprechen. Marina, die alte Haflingerstute, und ihr Freund Bubi, ein kleiner, alter Schimmel, standen friedlich grasend auf der Wiese. Eine Weile schauten wir den beiden zu. Ein schönes Bild - ein Bild des Friedens. Wir redeten und beratschlagten, wie, wo und wann wir die geplante Katzenterrasse bauen wollten, als Sylvia plötzlich aufsprang und in Richtung Bubi, der gerade am Bach stand, lief. Jutta und Hermann hinterher, ich war total verwirrt und lief allen nach. Bubi ist zusammengebrochen. Das friedliche Bild von vorhin änderte sich schlagartig. Bei dem lieben, kleinen Kerl angekommen, mussten wir hilflos zusehen, wie er innerhalb weniger Minuten vor unseren Augen starb. Stumme Hilflosigkeit, Traurigkeit und Entsetzen - was war bloß geschehen? Und dann: Tränen, Tränen, Tränen……

 

 

 

Bubi war zehn Jahre bei uns. Wir liebten ihn sehr und er fehlt uns. Aber wir wissen auch, dass wir ihm 10 lange Jahre Frieden, seine Freunde und ein artgerechtes Leben schenken konnten. Er starb auf seiner geliebten Wiese am Bach an einem Herzinfarkt. Er war schon 30 Jahre alt. Für den Kleinen war es ein friedliches Gehen. Marina, seine Freundin, nahm leise Abschied von Bubi. Sie stand ganz nah bei ihm und wir alle, Jutta, Hermann, Sylvia, Mascha und ich hatten gehört, wie sie leise schnaubend und Laute von sich gebend, Adieu sagte. Unsere große Sorge galt nun Marina. So viele Jahre waren sie und Bubi beisammen. Wie wird sie es verkraften ohne ihn? Pegasus war unsere Rettung. Er was fast noch ein Kind und vor 3 Jahren als Jährling krank, ausgehungert und total verängstigt von uns gerettet worden. Marina musste früher - lange bevor sie zu uns kam - zur Gewinnung von Stutenmilch viele Fohlen zur Welt bringen. Denn ohne Fohlen gibt es keine Milch. Viele Menschen trinken diese Milch aus verschiedenen Motiven. Sie überlegen aber nicht, wie viele süße Fohlen dafür das Licht der Welt erblicken und auch ganz schnell wieder sterben müssen. Denn wohin mit all den Fohlen? Jedes Jahr werden neue "produziert", um so zu der begehrten Milch zu kommen. So ging es Marina also früher. Sie war ganz einfach ein "Mama-Tier" und adoptierte den armen, kleinen Pegasus sofort. Die Liebe zwischen den Beiden ist groß und jeder, der uns besucht, kann Mama und Kind entweder auf ihrer geliebten Wiese am Bach oder in ihrem Unterstand sehen