· 

Feuer auf dem Gnadenhof

Der Winter war lang und kalt. Für uns hier auf dem neuen Hof war er ganz besonders kalt. Meine Familie und ich haben uns in ein Abenteuer begeben. Alles was im heutigen Leben normal ist, haben wir nicht oder nur begrenzt. "Heizung" gibt es nur in einem Raum und das in Form eines offenen Kamins. Strom ist auch nur begrenzt vorhanden. Eine Küche existiert nur provisorisch im ehemaligen Schweinestall. So muss man wohl direkt nach dem Krieg gelebt haben. Nichts desto Trotz sind wir zufrieden. Wir sind mit unseren Tieren zusammen und freuen uns gemeinsam auf Frühjahr und Sommer. Das heißt: weite und satte Wiesen für die Pferde, die Kuh und die Ziege. Für die Hunde einen großen Auslauf und für die Katzen ein wunderschönes Katzenhaus. So träumten wir…

 

In einer der kältesten Winternächte, meine Familie und ich haben uns nach einem sehr langen und anstrengenden Arbeitstag um die besagte einzige Wärmequelle gesetzt, eben jenen Kamin. Es war so kalt, dass sich an den Fenstern dicke, fette Eisblumen bildeten. Wir saßen eingehüllt mit dicken Federbetten auf der Couch, die Hunde haben sich eng an uns gekuschelt. So haben wir Fernsehen geschaut. Unsere Lieben, Herbert und Monika, haben uns, Gott sei dank, immer wieder mit Holz versorgt, welches wir tüchtig in den Kamin legten. Plötzlich bemerkte ich Rauch. Es war nichts Ungewöhnliches. Manchmal russte es so stark aus dem Kamin, dass wir ständig wie "Räucherware" rochen. Aber heute empfand ich es schlimmer. Ich machte Sylvia und Mascha darauf aufmerksam. Beide beruhigten mich. Nach einer Weile empfand ich den Rauch noch stärker. Nun ließ ich mich nicht mehr beruhigen. Mein Sohn Boris, der sich im oberen Stockwerk aufhielt, rief: "Hier ist alles voller Rauch".

 

Nun gab es kein Pardon. Sylvia musste über das Dach eines Nebengebäudes in die Ruine des ehemaligen Gesindehauses klettern. Der Kamin war genau an die angrenzende Wand gebaut.

 

"Alles in Ordnung?", fragte ich meine Tochter. "Nichts ist in Ordnung!", kam die aufgeregte Antwort. "Ich brauche sofort den Wasserschlauch." Mascha kümmerte sich um den Wasserschlauch, während Boris und ich alle Hunde aus dem Haus in ein Nebengebäude, die so genannte "Küche" brachten. Mein Mann passte dort auf die Tiere auf, während mein Sohn und ich die Möbel in Sicherheit brachten und die Feuerwehr riefen. Sylvia löschte und schlug mit einer kleinen Axt den Putz von dem Balken, der sich entzündet hatte und hielt immer wieder den Wasserschlauch auf die Glut. Wir schafften es gemeinsam mit viel Glück, dem Herrgott auf unserer Seite und vielen, vielen Schutzengeln, das Feuer zu löschen.

 

 

Nun kam auch der Brandmeister mit zwei Polizisten. Er war zufrieden mit unserer Leistung, gab uns noch ein paar Tipps und sagte: "Ihr müsst Brandwache halten und immer wieder den Balken mit Wasser kühlen". Dann gingen die Herrschaften. Wir sahen uns erst jetzt richtig um, in der eiskalten Nacht ohne Feuer, das Löschwasser gefror auf dem Fußboden und in Sylvias Haaren. Ihre Hände waren blau gefroren. Alle zusammen, Mensch und Tier, flohen wir in die einzige, mit Ruß bedeckte Wärme-quelle Bett, wechselten uns bei der Brandwache ab und warteten darauf, dass es hell wird. Ein neuer Tag. Was wird er uns bringen?!