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Fanni

 

Jedes unserer Tiere hat seine eigene, meist traurige Geschichte. So möchten wir Ihnen heute von dem Schicksal der kleinen Stute FANNI berichten.

Fanni lebte bis zu ihrem 18. Lebensjahr bei "ihren" Menschen. Dort wurde sie geboren und man hat viele schöne Stunden mit ihr verbracht. Sie hat den Menschen Freude bereitet.

Mit 18 Jahren jedoch wird man als Pferd langsam alt und nicht jeder ist willens seinem Tier das Gnadenbrot zu geben. Man entschloss sich also Fanni zu verschenken.

Es war ein heisser und strahlender Sommertag. Ich wollte zum Einkaufen, trank noch einen Schluck Kaffee und sah aus dem Fenster. Saftige Weiden, grüne Wälder und strahlend blauer Himmel. Unsere Tiere dösten zufrieden vor sich hin.

Von weitem sah ich zwei Reiter über die Wege galoppieren. Etwas liess mich stutzen. Eines der Tiere, so schien es mir, lahmte. Ich war nicht sicher, zu weit war die Entfernung. Aber aus dem Kopf ging mir dieses Bild nicht mehr.

Mein Mann und ich fuhren los um unsere Besorgungen zu machen. Im Geist war ich noch mit dem lahmenden Pferd beschäftigt, jedoch versuchte ich mich zu beruhigen. Ich konnte es nicht genau erkennen. Es war ganz gewiss nicht so.

Unser Weg führte uns durch das Nachbardorf. Auf der Haupt-strasse kamen uns zwei Reiterinnen entgegen. Ein schönes kräftiges Pferd und ein junges Mädchen, dessen rotes Haar in der Sonne leuchtete. Schön!

Hinterher jedoch trottete ein graues zotteliges Pferdchen, das schwer atmete, total verschwitzt war, lahmte und eine grosse blutende Wunde am Sprunggelenk hatte. Ich konnte es nicht fassen. Dagegen musste ich etwas tun.

Mein Mann fuhr einkaufen, ich jedoch zu meiner Tochter, mit der ich mich dann ins Auto setzte, um wieder ins Nachbardorf zu fahren und nach dem Pferd zu schauen. Es dauerte nicht lange und wir fanden die Mädchen auf ihren Pferden. Fanni, die kleine graue Stute sah schrecklich aus. Ein armes, erbarmungswürdiges geschundenes Wesen. Wir forderten das Mädchen auf sofort von dem Tier zu steigen. Zur selben Zeit kamen uns Spaziergänger entgegen, die sich in das Geschehen einmischten. Sie erzählten, dass das Mädchen schon seit Stunden das lahmende Pferd reite.

Dem Pferdchen gehe es schon immer schlecht. Sie könnten es beobachten, da sie Nachbarn sind. Das Tier wäre einmal nach einem Ausritt zusammengebrochen und erschöpft stundenlang im Schnee liegen geblieben.

Diese Menschen waren zwar sehr lieb und nett, hatten aber keinerlei Zivilcourage. Wir riefen den Amtsveterinär an und fotografierten das erschöpfte Tier in seinem schrecklichen Zustand.

Inzwischen kamen die Eltern des Mädchens. Ein recht lauter und brutaler Vater, der meine Tochter gleich schlagen wollte. Ich ging dazwischen. Er beschimpfte und bedrohte uns, die Mutter schien sich zu schämen. Der Amtsveterinär kam. Die offizielle Anzeige wurde gemacht und die Familie bekam die Auflagen, das Tier ärztlich behandeln und den Schmied kommen zu lassen, um die furchtbar aussehenden Hufe zu korrigieren.

Wir gingen nach Hause, da wir nichts mehr tun konnten. Alles lag jetzt in Gottes Hand. Wir erkundigten uns oft nach Fanni und erfuhren, dass man sie nicht mehr reiten kann. Uns beschlich die Sorge und Angst, das Fanni jetzt geschlachtet werden würde, damit sie das Geld einbringt, was der Tierarzt kostete. Ausserdem konnte die Tochter ja nun nicht mehr ihren Spass mit dem Pferd haben.

Der Amtsveterinär versuchte mehrmals, die Familie zu überreden, Fanni auf unseren Gnadenhof zu geben. Aber es half nicht.

Meine Tochter und ich versuchten deshalb auf eigene Faust Kontakt mit der Familie aufzunehmen. Das war nicht leicht. Der Vater und seine Tochter hassten uns. Die Mutter jedoch konnten wir mit vielen Bitten, Gesprächen und natürlich Geld bekehren. Sie verkauften uns Fanni zum Schlachtpreis von DM 500,00. Für dieses Geld wollte sie ihrer Tochter ein neues Reitpferd kaufen. Wir mussten versprechen, dabei behilflich zu sein. Es sollte ja schliesslich kein altes und krankes Pferd mehr sein.

Aus dieser Geschichte wurde eine neue geboren, die wir in der nächsten Ausgabe unseres Rundbriefes erzählen werden. Sascha und Joscha waren die nächsten, denen geholfen werden musste.

Fanni ist heute seit zweieinhalb Jahren bei uns und ein glückliches und zufriedenes Pferd. Sie hat viele Pferdefreunde und Menschen, die sie lieb haben. Wir hoffen, es wird ihr noch sehr lange gut gehen und dass wir mit Ihrer Hilfe, liebe Freunde, Fanni weiterhin ihr verdientes Gnadenbrot geben können.